Ein offener Brief zu IPv6
Dies ist ein offener Brief an alle Internet-Service- und Hosting-Provider (einschließlich demjenigen, bei dem dieser Blog gehostet ist).
Diesen Brief habe ich aufgrund der aktuellen Lage vor allem in Hinsicht auf momentane ISPs an den meinigen (1&1, falls der geneigte Leser sich erinnert) gesendet und möchte ihn auch hier als lesenswerten Artikel und Referenz veröffentlichen.
Weitere Informationen zu IPv6 finden sich beispielsweise auf der Wikipedia oder bei SixXS.
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Ihnen sicher bekannt ist, wurde im Jahr 1998 von der IETF der neue Internet-Protokollstandard IPv6 spezifiziert. Heute, mehr als zehn Jahre nach der Veröffentlichung, wird IPv6 immernoch kaum genutzt – vor allem die großen ISPs sind es, die dem Umstieg aus verschiedenen Gründen kritisch gegenüberstehen.
Indes zeichnet sich momentan in der Netz-Szene eine Steigerung der IPv6-Popularität ab. Internet-Größe Google bietet unter ipv6.google.com verschiedene Dienste über IPv6 an, alle Root-DNS-Server und auch einige der DENIC-Nameserver sind über IPv6 zu erreichen. Selbst der durchschnittliche Internetbenutzer beginnt, von der neuen Internetprotokoll-Version zu erfahren.
Im Rahmen dieser Fortschritte möchten wir anfragen, ob Sie bereit sind, Ihren Kunden (und somit auch uns) natives IPv6 zusätzlich zu den vorhanden IPv4-Adressen anzubieten. Gewisse Anbieter (in Deutschland z. B. Easynet, Titan und SpeedPartner) sind diesen Schritt bereits gegangen und delegieren den Kunden ein frei nutzbares IPv6-Subnetz.
Auch Ihrer Netzwerkstruktur könnte der Wechsel längerfristig zugute kommen. Wir haben z. B. festgestellt, dass beim bekannten DSL-Anbieter 1&1 zwei PPP-Verbindungen (mit jeweils dedizierten IPv4-Adressen) aufgebaut werden, von denen eine für Internet, die andere für Telefonie genutzt wird. Mit einem IPv6-Subnetz für den Kunden, in dem Adressen oder ein Unter-Subnetz für Telefonie reserviert wären, könnte hier für mehr Transparenz und weniger PPP-Sessions gesorgt werden. Andere Anbieter verfahren ebenfalls auf ähnliche Weise, kaum einer kommt noch unter zwei dedizierten IPv4-Adressen pro Haushalt aus.
Dies führt zum Hauptproblem, was durch IPv6 adressiert wird: die Knappheit der IPv4-Adressen. Durch Umstellung essentieller Dienste, die für den Endbenutzer transparent funktionieren würden (so z. B. DNS, Software-Updates des Modems/Routers) auf IPv6 könnten Sie einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Umstellung fließend und sicher vonstatten gehen zu lassen.
Durch die frühe Umstellung (vorstellbar wäre auch ein Beta-Programm mit ausgewählten, erfahreneren Kunden) könnten sowohl Ihre Kunden als auch Sie selbst Erfahrungen in Konfiguration und Anwendung des neuen Internetprotokolls sammeln. Wenn die komplette Umstellung dann nötig wird (wie oben erwähnt, zeichnet sie sich bereits ab), verläuft die Umstellung für den Kunden reibungs- und für Sie stressfrei ab, da die Erfahrung schon vorhanden ist und nicht erst eilig gesammelt werden muss.
Sollten Sie in naher Zukunft nicht planen, IPv6 nativ anzubieten, erwägen wir, zum Ende der Vertragslaufzeit zu einem der Anbieter zu wechseln, die dies bereits tun. Da wir bisher jedoch mit der generellen Netzstabilität und Verfügbarkeit Ihres Angebotes zufrieden waren, würden wir es natürlich sehr begrüßen, wenn wir den Anbieter nicht wechseln und die bisher übliche Stabilität nicht missen müssten.
Mit freundlichen Grüßen,
Jannis Andrija Schnitzer
und, abgeschickt? In großen Massen? verschiedene Leute? Antwort gekriegt?
Sven said this on July 9th, 2009 at 1:30 am
Abgeschickt, ja. Zwei, drei andere Leute auch, die anderen waren zu faul/zu ignorant/was weiß ich nicht.
Die Antwort lautete: »Zurzeit sind genügend IPv4-Adressen vorhanden. Selbstverständlich ist geplant, in Zukunft den Standard IPv6 mit anzubieten. Vielen Dank für Ihr Verständnis.«
Xjs said this on July 9th, 2009 at 6:55 am